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Kaffee und Klima: So schmeckt’s besser und belastet weniger

Klimaschonend Kaffee trinken

Du möchtest Espresso oder einen leckeren Filter-Kaffee genießen – und trotzdem die Auswirkungen auf Klima und Ressourcen minimieren? Wir haben uns dazu einige Gedanken gemacht, wie sich beides verbinden lässt. Dabei muss der Geschmack nicht auf der Strecke bleiben – im Gegenteil, wir sind überzeugt, dass mit diesen Tips auch am Ende der Genuss der jeweiligen Kaffee-Spezialität zunimmt.

Kaffee-Bohnen: Frisch, hochwertig – und mal nicht aus dem Supermarkt

Schluss mit Kaffee aus dem Supermarkt! Warum? Philipp Reichel, Röster und Mitveranstalter des Berlin Coffee Festivals erklärt im dasfilter-Interview: „Der Commodity-Markt bedient den Standardkonsum, den oft ziemlich kaputt gerösteten Kaffee, den man in den Supermärkten findet. Specialty Coffee, das sind ausschließlich Kaffees, die auf der Werteskala der SCA (‚Specialty Coffee Association‘) bei über 80 Punkten liegen. Hochwertige Kaffees, die man nur erzeugen und ernten kann, wenn man sich jahrelang damit beschäftigt. Was automatisch nachhaltigere Anbaustrukturen bedeutet. Für diese Kaffees werden auch den Farmern ganz andere Preise gezahlt. Commodity ist rein auf Quantität getrimmt, Specialty auf Qualität.“ Hinter  „Specialty-Coffee“ versteht man dabei kleine, unabhängige Röstereien, die durch weniger stark geröstete Kaffee-Bohnen versuchen, den originären Geschmack der Kaffee-Sorten zu erhalten und letztlich in die Tasse zu transportieren. Wer sich darauf einlässt, beginnt so eine Entdeckungsreise in neue Geschmacks-Facetten des Kaffees – die eben aber auch dem Klima weniger schadet.

Nachhaltiger Kaffee-Anbau in Zeiten der Klimakrise

Und warum nachhaltigerer Anbau so extrem wichtig ist, wird an anderer Stelle im selben Interview deutlich. „Wenn wir so weiter agieren wie jetzt, wird Kaffee in den nächsten 50 Jahren aussterben“, warnt Philipp. „Aktuell wird vor allem Arabica, der aus Äthiopien stammt, weltweit angebaut, in einer geringen Varietäten-Anzahl. Durch den Klimawandel sterben ganze Varietäten weg, weil es zu heiß für den Kaffee ist und er nicht genug Feuchtigkeit bekommt. Dazu kommt die steigende Insektenproblematik: In Mexiko und Kolumbien wurde vor ein paar Jahren ein Großteil der Plantagen zerfressen.“ Wie ernst die Lage ist, und warum es immer wichtiger wird, die Wälder, in denen Wildkaffeearten wachsen vor Rodung zu schützen, kannst du in diesem Tagesspiegel-Artikel nachlesen.

Mit diesen Tipps kann man Kaffee möglichst klimaschonend genießen

Mit diesen Tipps kann man Kaffee möglichst klimaschonend genießen

Was du jetzt tun kannst:

  • Specialty-Kaffee (siehe oben) bei einem Qualitätsröster kaufen, der glaubhaft zeigen kann, dass er auf faire und umweltgerechte Anbau-, Handels- und Produktionsbedingungen achtet.
  • Dazu gehören zum Beispiel: Hoppenworth & Ploch, Slokoffie und Primo Espresso – in fast jeder größeren Stadt in Deutschland gibt es Specialty-Coffee-Röstereien. Auf dieser Karte wirst du fündig (Kaffeebohnen-Icon = Rösterei; Kaffeetasse = Café). Falls du noch eine Qualitätsrösterei kennst, die auf der Karte fehlt, kannst du sie der Karte hinzufügen.
  • Kaffee von Röstern beziehen, die Ökoenergie verwenden und die Emissionen des Röstvorgangs offsetten
  • Verpackungen reduzieren. Kleine Röstereien und Händler bieten zunehmend auch verpackungsfreie Lösungen an
  • Zu Fuß oder mit dem Fahrrad einkaufen statt mit dem Auto oder per Paketlieferung
  • „Coffee to go“: Mehrweg– statt Einwegbecher nutzen (z.B. Recup). Und wenn möglich bei nachhaltigen Cafés genießen (siehe oben)
  • Beim Kaffee- oder Espressomaschinenkauf auf die Energieeffizienz achten
  • Überlegen, ob die Maschine wirklich ein Kaffeevollautomat sein muss
  • Maschinen ausschalten, wenn sie nicht genutzt werden
  • Dich auch mal selbst fragen: Muss wirklich jede Tasse Kaffee sein? Deutschland importiert nach den USA weltweit am meisten Kaffee. Um noch ein letztes Mal Philipp Reichel zu zitieren: „Wir müssen uns klarmachen: Kaffee ist ein Luxusgut. Er ist so dermaßen exotisch, das nimmt aber niemand wahr.“ Wie du dir das sehr plakativ vor Augen führen kannst, ist, an den Wasserverbrauch zu denken, der für eine einzige Tasse Kaffee im Durchschnitt anfällt. Es sind stolze 140 Liter!

Quelle: https://www.polarstern-energie.de/magazin/artikel/kaffee-fair-und-bio/

Warum Fairtrade-Kaffee nicht alles ist

„Aber ich kaufe doch schon Fairtrade-Kaffee!“ – dann lese dir mal diesen Artikel durch: „Fairtrade und Co helfen wohl doch nicht so, wie wir es gerne hätten. Und jetzt?“ Die Kurzfassung: Bei Fairtrade geht es in erster Linie um das Soziale, nicht um den Klimaschutz. Die Bauern erhalten einen etwas höheren Abnahmepreis. Und selbst bei der sozialen Komponente kommen diverse Studien leider zu dem Schluss, dass es den Bauern nicht besser geht als ohne Fairtrade. Ähnliches gilt für andere Siegel, so schade das auch ist und so sehr die Organisationen hinter den Siegeln gegen diese Studien ankämpfen. Die Welt ist leider kompliziert. Also raus aus dem (Bio-)Supermarkt und auf zum Röster deines Vertrauens!

Wo kaufst Du in deiner Stadt deine Kaffee-Bohnen? Wir freuen uns über Tipps und Hinweise und werden sie gerne im Artikel ergänzen.

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