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Klimaneutral fliegen

Beim Fliegen verhält es sich wie bei vielen anderen Dingen: das Beste fürs Klima ist Vermeidung. Oder um es mit den Worten des Umweltbundesamtes zu sagen:

„Nutzen Sie Alternativen zu Flugreisen: Andere Verkehrsmittel, nähere Urlaubsorte oder Videokonferenzen an Stelle von Dienstreisen.“

Angebot schafft Nachfrage behauptet ein gängiges Sprichwort, aber wenn die Nachfrage ausbleibt, werden unrentable Flugstrecken auch wieder eingestellt. Das ist die Macht des Konsums. Ganz einfach.

Einfach und dennoch wirksam: Co2-Kompensation

Wenn du trotzdem ein Flugticket kaufst, dann ist eine Kompensationszahlung das Mindeste, was du tun kannst. Denn schon ein einzelner Langstreckenflug ist pro Kopf für mehrere Tonnen Treibhausgase verantwortlich. Da eine Kompensationszahlung aktuell komplett freiwillig ist und einen zusätzlichen Aufwand bedeutet, tut es heute leider noch kaum jemand.

Geprüft von Stiftung Warentest

Natürlich gilt es, zu verifizieren, ob das bezahlte Geld tatsächlich Klimaschutzmaßnahmen ermöglicht, die nicht ohnehin schon umgesetzt worden wären (so genannte „Additionalität“), und ob die Maßnahmen tatsächlich nachhaltig sind. Aber zum Glück hat die Stiftung Warentest dir Arbeit abgenommen und 2018 die folgenden drei Anbieter für sehr gut befunden:

Atmosfair (0,6 / sehr gut)
Klima-Kollekte (1,1 / sehr gut)
Primaklima (1,5 / sehr gut)

Die Sache mit der Gesamtklimawirkung

Nicht zu empfehlen ist der in der Lufthansa-Buchungsmaske integrierte Kompensationsrechner. Der berücksichtigt nämlich nur den reinen CO2-Ausstoß der Flugzeuge. „Tatsächlich aber geht die Klimawirkung des Luftverkehrs weit über die CO2-Emissionen hinaus. Wasserdampf, Stickoxide und andere Abgase haben bedeutende Auswirkungen auf das Klima, besonders in großen Flughöhen. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass die Gesamtklimawirkung des Luftverkehrs mindestens zweimal, womöglich sogar dreimal so hoch ist wie der reine CO2-Effekt. Der Weltklimarat empfiehlt, den CO2-Ausstoß von längeren Flügen mit dem Faktor 2,7 zu multiplizieren.“ (Quelle: Spiegel Online)

Blick in die Zukunft

Flugtaxis des Startups Lilium aus München (Bildquelle: The Lilium Jet)

Flugtaxis des Startups Lilium aus München (Bildquelle: The Lilium Jet)

Die Klimaschutzmaßnahmen, die Fluggesellschaften und Flugzeugbauern bislang eingefallen sind, wirken nur marginal. Dabei geht es vorrangig um mehr Effizienz in allen Bereichen. Ein gutes Beispiel ist die Nutzung des Luftraums – natürlich ist es klimaschonender (und gleichzeitig billiger und schneller), wenn ein Flugzeug nicht eine komplizierte Zick-Zack-Route fliegen muss, nur, weil die länderübergreifende Zusammenarbeit der Fluglotsen zu wünschen übriglässt. Da immer mehr geflogen wird, sind diese marginalen Effizienzgewinne nur gut für die Margen der Fluggesellschaften. Das weltweite Klima leidet währenddessen unter einem ungebremst steigenden Treibhausgas-Fußabdruck durchs Fliegen: Die derzeit absehbaren Effizienzsteigerungen liegen bei einem Prozent pro Jahr, während der Flugverkehr voraussichtlich um vier Prozent weiterwachsen wird.

Keine Treibstoff-Revolution in Sicht

Richtige Revolutionen im Flugzeugbau und beim Treibstoff sind leider nicht in Sicht. Kleine Hoffnungsschimmer sind da die schon seit ein paar Jahren gehypten Flugtaxis, wie zum Beispiel das Startup Lilium aus München. An größeren Elektro-Passagierflugzeugen wird hier und da auch getüftelt – marktreif ist da aber noch lange nichts. Revolutionär wäre die Hyperloop-Technologie, falls sie denn jemals im Passagierverkehr zum Einsatz kommt (da geht es natürlich nicht ums Fliegen, diese Innovation könnte aber Flugstrecken ersetzen).

Artikel zu Flugreisen und Klimaschutz:
https://www.zeit.de/zeit-wissen/2019/03/flugreisen-klimaschutz-gewissen-co2-emissionen-treibhausgase/komplettansicht

Artikel zu klimaoptimierten Flugrouten & alternativen Treibstoffen:
https://www.dw.com/de/optimierte-flugrouten-alternatives-kerosin-weniger-fliegen-co2-preis/a-39492012

Artikel zur Zukunft der Luftfahrtindustrie (auf Englisch):
https://www.theguardian.com/science/2019/nov/24/can-we-fly-and-have-net-zero-emissions-air-industry-e-fan-x-rolls-royce-engines-kerosine-carbon-2050

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